Familienoper von Marius Felix Lange nach einem Libretto von Martin Baltscheit

Musikalische Leitung: Lukas Beikirchner
Inszenierung: Johannes Schmid
Ausstattung: Tatjana Ivschina
Choreographie: Anna Holter
Licht: Volker Weinhart
Dramaturgie: Dr. Bernhard Loges

mit: Alma Sadé/Anke Krabbe, Dimitri Vargin/Bogdan Baciu, Florian Simson/Johannes Preißinger, Elisabeth Selle/Heidi Elisabeth Meier, Susan Maclean/Sarah Ferede, Bruno Balmelli/Stefan Heidemann, Günes Gürle/Torben Jürgens, Paul Stefan Onaga, Attila Fodre, Lukasz Konieczny

Tänzer: Elisa Marshall, Phaedra Pisimisi, Viviana Defazio, Sara Blasco, Darwin Diaz, Bernardo Fallas, Yuta Hamaguchi, Hayato Yamaguchi

Chor der Deutschen Oper am Rhein
Statisterie der Deutschen Oper am Rhein
Duisburger Philharmoniker/altstadtherbstorchester

Premiere 14. Februar 2014, Theater Duisburg

Eine Ko-Produktion von Oper am Rhein Düsseldorf/Duisburg, Oper Dortmund und Oper Bonn

Übernahmepremiere in Dortmund am 31. Mai 2015
Übernahmepremiere in Bonn am 21. Februar 2016

www.operamrhein.de

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Presse


Opulenz für alle

Familienopern sind solche, die scheinbar kindliche Themen behandeln, aber mit ausreichender Ausstattung auf der großen Bühne eine Wirkung entfalten, die die ganze Familie – vom Enkel bis zur Oma – berührt. (...) Jetzt ist die Rheinoper eine Kooperation mit der Dortmunder Oper und dem Theater Bonn eingegangen, um noch eins draufzusatteln. Gemeinsam erteilten die drei Häuser den Kompositionsauftrag für eine neue Familienoper an den Komponisten Marius Felix Lange und den bekannten Düsseldorfer Kinderbuchautor Martin Baltscheit, der das Libretto nach einer seiner Geschichten verfasste. Herausgekommen ist ein Werk, das in seiner Komplexität tatsächlich ein Publikum von 8 bis 80 ansprechen kann.
Vor allem aber dann, wenn es in die Hände eines erfahrenen Regie-Teams kommt, das keine Angst vor Größe hat. Johannes Schmid liefert hier ein Meisterwerk ab, das in anderthalb Stunden alles bietet, was große Oper haben muss, um den ganz eigenen Zauber zu entfalten. Die eine Seite ist Schmids Personenführung, die keine Wünsche offen lässt und ein lebendiges, abwechslungsreiches Schauspiel ermöglicht. Hier steht keiner an der Rampe, und niemand muss sich die nächsten Schritte überlegen. Eins greift ins andere, ein wunderbarer Fluss entsteht. Selbst die gefürchteten Längen zum Ende hin bleiben schlicht aus. Die andere Seite ist die – wieder mal – großartige Arbeit von Tatjana Ivschina. Sie hat eine Bühne geschaffen, die in ihrer Detailfreude, überraschenden Wendungen und großer Fantasie einlädt, sich ganz und gar in die Geschichte hineinziehen zu lassen. Dabei nutzt sie die Räume in allen Ebenen, schafft ungewöhnliche Perspektiven und kommt mit denkbar wenigen Umbauten aus, die quasi en passant passieren. Dass es dazu stimmige Kostüme gibt, ist fast schon selbstverständlich. Herrlich, wie Ivschina beispielsweise die Schützen charakterisiert. Fast möchte man den Namen des Schützenvereins benennen, weil man die Typen doch alle wiedererkennt. (...) Und weil in einer „richtigen“ Oper auch die Choreografie nicht fehlen darf, zeigt Anna Holter mit ihren Tänzerinnen und Tänzern mal, was da eigentlich alles geht. Vor allem der große Freudentanz gegen Ende ist ein Feuerwerk choreografischer Möglichkeiten, dass einem Hören und Sehen vergeht. (...) Marius Felix Lange hält sich mit „Zeitgenössischem“ in seiner Komposition zurück. Immer wieder bedient er im besten Sinne Hörgewohnheiten, ohne auf moderne Einflüsse zu verzichten. So sind komplexe, anspruchsvolle Rollen entstanden. Das Publikum der Uraufführung am Vortag hat es ihm mit frenetischem Applaus gedankt. „Man fühlt sich für einen Moment wie ein Popstar“, zeigt Lange sich tief beeindruckt. Und wüsste man nicht ganz genau, dass es nicht stimmt, würde man Stein und Bein schwören, dass er die Rolle der Lena Alma Sadé auf den Leib geschrieben hat. Eine Person in der Pubertät darzustellen, dürfte so ziemlich zum Schwierigsten gehören, was man sich an Rolle vorstellen kann. Die Abgründe zwischen dem Schwanken der Seele, der Entdeckung des Körpers, mächtiger Hormonschübe und einer verbliebenen kindlichen Naivität auszuloten, hat schon manchem Jungschauspieler seine Grenzen aufgezeigt. Sadé gelingt es meisterhaft. Dazu kann sie alle Möglichkeiten ihrer Stimme zelebrieren. Der Komponist verlangt ihr einiges ab. Vom zarten Schmelz, der von Poesie erzählt, bis zu den klaren Höhen, die sich in wenigen Passagen gegen das Orchester behaupten müssen, bewältigt die Sängerin die Anforderungen tadellos. Dmitri Vargin zeigt einen sehr natürlichen, authentischen Leander, der Lena wunderbar ergänzt. Fantastisch ist die Stimme von Florian Simson als Mond mit einem sehr modern wirkenden, metallischen Klang, ohne ins Künstliche abzudriften. Auch er darstellerisch ein Vergnügen. Mindestens ebenso wie Totengräber Günes Gürle, der das Böse und Finstere seiner Rolle nicht nur mit seinem Bass bestätigt, sondern auch auf Schritt und Tritt zeigt. Elegant die Erhabenheit und Schönheit in der Stimme von Elisabeth Selle als Alba. Gleichermaßen stark besetzt die Nebenrollen; für die Eltern leistet man sich gar den Luxus einer Susan McLean und eines Bruno Balmelli. (...) Lukas Beikircher führt die Duisburger Philharmoniker, aber auch die Sänger und den Chor sehr konzentriert mit klaren, knappen Ansagen durch die ungewohnte Partitur. Er hat auf den Frack verzichtet und stattdessen ein schwarzes Hemd gewählt. Das passt zu seinem Dirigat. Beikircher schwingt den Taktstock nicht für den Rang, sondern kommuniziert bevorzugt in direktem Kontakt mit Musikern und Sängern. Das Ergebnis ist herausragend. (...) Nach einem Abend, der einen so tief und vielfältig beeindruckt, möchte man nur noch eins: Nach Hause. Die erfreuliche Nachricht: Das Konzept der Familienoper funktioniert. Unverkennbar ist, dass an diesem Abend nicht nur viele Kinder zum ersten Mal in der Oper sind. Alle waren sie aber nicht zum letzten Mal da. Und wenn die Bühnen- und Graben-Arbeiter sich nach dieser fulminanten Aufführung alle ein bisschen wie Pop-Stars fühlen, liegen sie mit ihrer Einschätzung genau richtig.
(Michael S. Zerban auf opernnetz.de)


Mondkuchen macht wach!

Nach tollen Produktionen in den Vorjahren (...) legt die jüngste Familienoper „Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte“ nochmals drauf. Die erste Koproduktion der „Jungen Oper Rhein-Ruhr “, zu der sich Deutsche Oper am Rhein, Theater Dortmund und Theater Bonn zusammen getan haben, ist ein großer Wurf und fährt alles auf, was Oper zu bieten hat.
Über 1000 Kinder erlebten am Freitag im Theater am König-Heinrich-Platz: Die Uraufführung einer märchenhaften Geschichte (komponiert von Marius Felix Lange, Libretto Martin Baltscheit), ein großes Orchester (die Duisburger Philharmoniker unter Lukas Beikircher), ein hinreißendes Bühnenbild und traumhafte Kostüme (Tatjana Ivschina), glänzende Solisten, Chor, Ballett, Bühnenmusik – 90 Minuten voller überraschender Wendungen, ein Wechselbad der Gefühle, mit Fantasie und Tempo, Witz und Romantik inszeniert von Johannes Schmid. Jedes Bild ein Traum: Vom Fischballett bis hin zum Mond, der mit (fast) Mozartklängen am Bühnenhimmel aufgeht, aber auch von der Seite zur Hilfe geeilt kommt; sein Appetit hängt davon ab, ob er zu- oder abnimmt.
Die komplexe Handlung dieses Märchens mit Tiefgang, das auch erwachsene Zuschauer zu fesseln vermag, rankt sich um Lena und Leander, deren Freundschaft sich auf eine Reise Richtung Liebe macht. Versehentlich tötet Leander einen Vogel und versucht Lena damit zu trösten, der Vogel schlafe nur. Aus Furcht vor diesem „Schlaf“ bleibt sie wach, unter den besorgten Augen ihrer Eltern, einer ratlosen Ärzteschar, die als Horrorkabinett in Weiß die Patientin von Kopf bis Fuß auseinandernehmen, und den misstrauischen Blicken der Dorfbewohner, die fürchten, von der Schlaflosigkeit angesteckt zu werden.
Leander und Lena flüchten, begegnen Holzfällern und einem Trauerzug, an dessen Spitze der Totengräber den Spaten stets bereit hat. Schließlich werden die beiden getrennt. Während Leander die Vogelprinzessin trifft, die Heilung verspricht, irrt Lena herum. Und fällt beim Anblick von Leander und der Vogelprinzessin als Hochzeitspaar in einen todesähnlichen Schlaf. Erst der Mond kann das Mädchen heilen – mit Mondkuchen.
Kuchen, Kuss und Schluss einer in jeder Hinsicht anspruchsvollen Produktion. (...) Sehr lauter, sehr langer Jubel.
(Anke Horstmeier in WAZ vom 15.02.2014)

Kinderoper verzaubert in den schönsten Tönen!

Fast alle kennen „Hänsel und Gretel“. Eine zeitgemäßere Märchenoper erzählt jetzt von Lena und Leander: Marius Felix Langes „Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte“ wurde gestern am Theater Duisburg uraufgeführt. (...) Die Oper „Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte“ vom Düsseldorfer Kinderbuchautor Martin Baltscheit und dem Berliner Komponisten Lange erzählt von beidem: vom Küssen und vom Sterben, von der ersten Liebe und vom Tod. Und zwar in Form einer 90-minütigen märchenhaften Mondphantasie. Denn in ihrer Angst vor dem Tod weigert sich Lena, jemals wieder zu schlafen. Das Ganze kommt unter der musikalischen Leitung von Lukas Beikircher als aufwendige Oper mit zehn Solopartien, Chor, Tänzern, Bühnenmusik und Orchester daher. Die Inszenierung von Johannes Schmid bietet dazu „großes Kino“.
(Klaus Stübler in Ruhr Nachrichten vom 15.02.2014)

Und wie die jungen Zuschauer auf den rappelvollen Rängen applaudieren konnten: Lang und laut – so lauter Applaus tönt selten durch das Theater Duisburg, denn die Kleinen schlugen beim Schlussapplaus vor Begeisterung schon fast über die Stränge. Zu sehr hatten die spannende Handlung und ausdruckstarken Akteure sie über die knappen anderthalb Stunden gefesselt und beinahe ruhig auf den Plätze gehalten. Als nach dem Happy End, den eine Geschichte für Kinder immer haben sollte, die Spannung von ihnen abfiel, konnten sie ihrer Begeisterung endlich lautstark Luft machen. Mit ihrem neuen Stück hatte die Deutsche Oper am Rhein mal wieder zielgenau den Geschmack eines jungen Publikums getroffen, welches sich für Oper oder Theater erst noch begeistern muss. Ein exzellenter Einstieg war hiermit schon mal geschaffen! (...) Mit ihren anderthalb Stunden Dauer (ohne Pause) ist „Vom Mädchen, das nicht schlafen wollte“ schon eine große Oper, deren Herausforderung (...) war, ein junges Publikum über einen so langen Zeitraum zu fesseln und zu faszinieren. Was ganz hervorragend gelingt! (...) Die hervorragend aufgelegten Sänger gehen förmlich in ihren Partien auf – gesanglich wie schauspielerisch.
(Petra Grünendahl auf duisburgamrhein.wordpress.com)

Johannes Schmidl ässt in seiner Inszenierung faszinierend die Grenzen von Traum und Wirklichkeit verschwimmen, bestens unterstützt durch die wieder einmal hochpoetische Ausstattung von Tatjana Ivschina. Bühne und Kostüme betonen den Gegensatz von enger Kleinstadtwelt und zunächst bedrohlicher, dann aber befreiender Natur. Auch die musikalische Qualität ist erste Sahne. Zehn Solisten widmen sich spielfreudig und sorgfältig auch noch den kleinsten Rollen, allen voran Alma Sadé als Lena und Dmitri Vargin als Leander. Einen Tag vor der Premiere musste Susan Maclean als Lenas Mutter einspringen und meisterte das unbekannte Terrain ("Hast du einen Damenbart / dann hast du am Friseur gespart"). Auch der von Christoph Kurig einstudierte Chor der Rheinoper ist mit besonders viel Freude dabei. Nicht zuletzt lässt der Dirigent Lukas Beikirche die Duisburger Philharmoniker die einleuchtenden Klangfarben lustvoll ausspielen.
(Ingo Hoddick in Rheinische Post vom 17.02.2014)