Kammeroper von Kurt Schwertsik (UA)
nach "Die Eisprinzessin" von F.K. Waechter

Musikalische Leitung: Michael Wendeberg
Regie: Johannes Schmid
Bühne und Kostüme: Michael S. Kraus
Choreographische Mitarbeit: Anna Holter
Dramaturgie: Anselm Dalferth

mit: Anne-May Krüger/Barbara Emilia Schedel, Sabine Zeiniger, Uwe Topmann
und Michael Wendeberg (piano), Rüdiger Kurz (trumpet),  Christoph Müller (violin), Eva Wombacher (harp), Carsten Bolz (bassclarinet), Thorsten Gellings (vibraphon)

Premiere: 29. April 2011, Junge Oper Nationaltheater Mannheim (Werkhaus)

www.nationaltheater-mannheim.de

Der König von Sizilien liebt heißblütig die Eisprinzessin, die ihm in seinen Träumen erscheint. Zuerst kann er sie nicht finden, dann kann er sie nicht erobern und so scheint die ganze Sache ziemlich hoffnungslos – doch des Teufels Großmutter bietet ihm Hilfe an. Drei Jahre muss er bei ihr in die Lehre gehen, bevor er sich wieder auf den Weg zu seiner geliebten Prinzessin macht, diesmal verkleidet.

Die Entdeckung unbekannter Liebeswelten steht im Zentrum der Geschichte Friedrich Karl Waechters. Die wohlgesetzten Verse des verliebten Königs blitzen und leuchten und mit seiner feurigen Rede setzt er alles daran, den Eispanzer der unnahbaren Prinzessin irgendwann zum Schmelzen zu bringen. Die Verführung durch das Wort wird in diesem Auftragswerk der Jungen Oper mit jener durch die Musik verbunden, und so entsteht im Spiel von Instrumenten, Stimmen, Geräusch und Klang ein Musiktheater, das sich auf die Suche nach noch unbekannten Welten macht.

Kurt Schwertsik (*1935) war Hornist in verschiedenen Orchestern, gründete gemeinsam mit Friedrich Cerha das Ensemble für Neue Musik „die reihe“ und leitete eine Kompositionsklasse am Wiener Konservatorium, bevor er von 1989 bis 2003 als Professor für Komposition an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien tätig war. Seine zugängliche Tonsprache, verbunden mit Witz und ironischen Skurrilitäten, haben ihn zu einem der interessantesten Komponisten Österreichs gemacht.

Trailer ansehen!


Presse

Die Schwierigkeiten des großen Gefühls Liebe sind Thema in Kurt Schwertsiks Oper „Eisberg nach Sizilien“. Sie ist eine Auftragskomposition der Jungen Oper des Nationaltheaters Mannheim und zeigt überzeugendes Schauspiel verbunden mit bunten Klangfarben. Mit „Es war einmal“ fängt alles an, und tatsächlich ist die neuste Produktion der Jungen Oper ein modernes Märchen in zeitgenössischem Gewand. Der südländische temperamentvolle König von Sizilien träumt von der schönen Eisprinzessin. Die ist aber nicht nur attraktiv, sonder auch unnahbar und gefühlskalt. Während die eisige Schönheit daher zunächst unsympathisch und brutal erscheint, wird später klar: Ihr gehlt einfach die Erfahrung, sie ist verunsichert und kann mit der ihr entgegengebrachten Liebe nicht umgehen. Ein Gefühl, das auch viele Jugendliche kennen. Die erste Liebe ist ein Abenteuer und ein großes Fragezeichen zugleich. (…) Die Vorlage für „Eisberg nach Sizilien“ ist „Die Eisprinzessin“ von Friedrich Karl Waechter. Die Sprache ist eher poetisch als jugendlich oder alltagstauglich. Trotzdem versteht im Verlauf des Stückes jeder, was den König und die Eisprinzessin umtreibt. Ganz verständlich macht das die wunderbar lebhafte und bildreiche Inszenierung von Johannes Schmid. (…) Sehr überzeugend ist dabei die mimische und gestische Arbeit der drei Hauptdarsteller. Sopranistin Anne-May Krüger zeigt den kalten, abweisenden Eis-Blick genauso echt, wie den fragenden und naiven Blick der jungen und unerfahrenen Frau. Uwe Topmann gibt einen König, der auch für einige Lacher sorgt, in dem sonst so ernst gemeinten Stück. Und Sabine Zeininger ist als Teufels Großmutter der unterhaltsame Gegenpol zum gefühlsverstrickten Paar. (…) Ein schöner Regieeinfall ist es, die Musiker in das Theaterspiel mit einzubeziehen. Also nicht wundern, wenn die Großmutter des Teufels auf einmal auf dem Schoß des Trompeters sitzt oder der König auf den Flügel springt. Kindern und Jugendlichen die Oper mit aktuellen Themen näher zu bingen, ist ein Ziel der 2006 gegründeten Jungen Oper des Nationaltheaters. „Eisberg nach Sizilien“ lässt auch das schwierige Thema der körperlichen Liebe nicht aus. Der erste sexuelle Kontakt zwischen Prinzessin und König wird als Höhepunkt der Gefühle dargestellt, als Glück. Liebe ist eben dazu da, um geteilt zu werden.
(Rebekka Sambale in Die Rheinpfalz vom 02.05.2011)

Der König von Sizilien (Uwe Topmann) hat es wahrlich nicht leicht, denn die Dame seines Herzens macht ihrem Namen alle Ehre. Hoch oben thront sie, die Eisprinzessin (Anne-May Krüger), auf dem Eisberg und scheint schon ganz mit diesem verschmolzen zu ein. Die eisige Kälte ihres Thrones entspricht dabei genau ihrem Charakter, und sie denkt gar nicht erst daran, von diesem herab zu steigen – schon gar nicht für den König (…). Unter dem Titel „Eisberg nach Sizilien“ formte der Komponist Kurt Schwertsik eine stimmige Mischung zwischen Oper und Schauspiel für Jugendliche ab 14 Jahren. (…) Gleichermaßen schlicht wie raffiniert ist dabei das Bühnenbild. Der Eisberg wird kurzerhand zum Schiff das die beiden über den Ozean transportiert, und später zum Schloss des Königs umfunktioniert. (…) Die Wandlung von der kühlen Eisprinzessin hin zur verzweifelt Liebenden gelingt Anne-May Krüger hervorragend. Überzeugen kann sie neben dem Gesang vor allem mit ihrem darstellerischen Talent, das in den deutlich überwiegenden Schauspielszenen voll zur Geltung kommt. Topmann und Zeininger sorgen hingegen für die nötige Komik im Stück. (...). Der behutsame Umgang mit dem Thema Liebe und Sexualität, der dennoch nichts verschweigen möchte, macht Schwertsiks Werk zu einem sehenswerten Ereignis – für das junge, aber gleichermaßen auch für das ältere Publikum.
(Simon Chlosta in Rhein-Neckar-Zeitung vom 03.05.2011)

Ein blonder Mann von königlichem Geblüt schmachtet eine Prinzessin an - und das weiße Kleid der dunkelhaarigen Schönheit ist natürlich der Hit. Dennoch befinden wir uns nicht in London, und das hohe Paar heißt auch nicht William und Kate. Bis es in der Jungen Oper "Eisberg nach Sizilien" zwischen dem König von Sizilien und der Eisprinzessin zu einer Hochzeit kommt, folgen 50 unterhaltsame, mit herzlichem Applaus bedachte Minuten zeitgenössischen Musiktheaters - erstmals in Mannheim für Jugendliche ab 14 Jahren.
Kurt Schwertsik hatte zum fünften Geburtstag der jüngsten Nationaltheatersparte einen Kompositionsauftrag nach F.K. Waechters Vorlage "Die Eisprinzessin" erhalten, die kurz nach Verstummen der Westminster-Glocken zur Uraufführung kam. (...) Fein ausgearbeitete Kurt-Weill-Klänge, Salonmusik und Anklänge an das deutsche Kunstlied liefern ein niedrig-schwelliges Angebot für Musiktheatereinsteiger, was schließlich Sinn der jungen Opernsache ist. Freude macht auch die durchdachte Drehbühne von Michael S. Kraus, die uns - trickreich ausgeleuchtet - vom Eisberg übers Schiffsdeck zum Schlossturm führt.
Regisseur Johannes Schmid versteht es mit leichter Hand, die unter Kapellmeister Michael Wendeberg am Klavier engagiert aufspielenden Instrumentalisten ins Spiel zu integrieren. Mit Witz und Verve meistern Sabine Zeininger als Stein des Anstoßes, Teufels Großmutter und quirlige Erzählerin, Anne-May Krüger als stimmlich und darstellerisch auftauende Eisprinzessin und der souverän agierende und im schönsten Parlando singende Uwe Topmann (König) die Umsetzung.(Ralf-Carl Langhans in Mannheimer Morgen vom 02.05.2011)