von Selma Lagerlöf, dramatisiert von Göran Tunström

Regie: Johannes Schmid
Ausstattung: Michael S. Kraus
Musik: Portmanteau
Choreographie: Birgitt Paulus
Dramaturgie: Philipp Roos

mit: Tamara Hoerschelmann, Marie Ruback, Oliver Bürgin, Sebastian Hofmüller, Stefan Maaß und Taison Heiß (electronics), Greulix Schrank (drums)

Premiere: 22. April 2006, Schauburg - Theater der Jugend München

TZ-Rose der Woche
Einladung zum 9. Deutschen Kinder- und Jugendtheatertreffen "Augenblick mal!"

www.schauburg.net
Videoausschnitt

Presse


(...) „Das Trollkind“ handelt von einer Kindsvertauschung und der Angst des Menschen, nicht um seiner selbst willen geliebt zu werden. In der Schauburg inszenierte Johannes Schmid das Märchen vom Wechselbalg für Kinder ab 9 als packende, irritierende Lektion über Nächstenliebe und Mitmenschlichkeit. Als ihr Pferd scheut, lässt eine Bäuerin im Wald ihr Baby fallen: Eine Trollfrau (Marie Ruback) tauscht es gegen das eigene aus. Obwohl das Bauernpaar den Wechselbalg sofort erkennt, bringt die Mutter (Tamara Hoerschelmann) es nicht fertig, den struppigen, plärrenden Quälgeist sich selbst zu überlassen. Sie pflegt und hätschelt ihn, ernährt ihn artgerecht mit Mäusen und Fröschen. Weil sie Mitgefühl und Verantwortung für das fremde Wesen sogar unter Einsatz des eigenen Lebens über die Liebe zu ihrem Mann (Oliver Bürgin) stellt, zerbricht ihre Ehe. Der Knecht (Sebastian Hofmüller) will abhauen, der Hof treibt in den Ruin. In der kleinen Rund-Arena mit vier aufklappbaren Bodenplatten (Bühne und Kostüme: Michael Kraus) schaffen die Schauspieler eine intensive Atmosphäre der sozialen und familiären Zerrüttung, bedrohlich verstärkt durch die Live-Musik des Duos Portmanteau. Stefan Maaß als Erzähler und Quengelkind führt die Story zum Märchenschluss. Die Moral: Wie du mir, so ich dir – mit der Sorge für das fremde Kind hat die Mutter das eigene gerettet. Man muss auch seine dunklen Seiten lieben.
(Gabriella Lorenz in Abendzeitung vom 24.04.06)

Ach, wie lebten sie selig, Mama, Papa und ihr hübsches Baby. Doch das Familienidyll währt nicht lang. (...) „Das Trollkind. Oder: Das Märchen vom Wechselbalg“ von Selma Lagerlöf in der Schauburg spielt mit der ewigen Phantasie vom vertauschten Kind. Johannes Schmid zeigt in seiner Inszenierung mit an alte Märchenbücher angelehnten Bildern fabelhafte Einfälle, lässt Bauer und Bäuerin lustig mit zu Pferdekörpern ausgestellten Röcken aufgaloppieren. Und wie der Erzähler(Stefan Maaß) den schnuckeligen Sonnenschein und das knurrende Babymonster mimt, ist nicht nur für Kinderherzen eine Freude. Natürlich ist dies nicht zuletzt eine Geschichte über emotionale Ambivalenzen und die Gesichter jeden Kindes. (...) Die wundersame Auswechslung erlaubt es, die dunklen Seiten der Eltern-Kind-Beziehung auszuagieren. Je zorniger der Vater (Oliver Bürgin) sich von der kleinen Nervensäge abwendet, desto mehr wirft sich die verzweifelte Mutter (Tamara Hoerschelmann) schützend auf sie. Erst nachdem er seine Mordphantasien an den Troll ausgelebt hat, trifft er den guten Sohn wieder. Es kommt zum Happy End (...)
(Petra Hallmayer in Süddeutsche Zeitung vom 24.04.2006)

Es hat Haare wie Schweinsborsten, messerscharfe Zähne und eine große Kralle; es verspeist Ratten und Frösche; es kreischt und tobt, ist ein Wesen des Schreckens: ein Trollkind. Welche Menschenmutter könnte ein solches Ungeheuer lieben? Eine kann es. Von ihr erzählt „Das Trollkind“, ein Märchen, das die schwedische „Nils Holgersson“-Autorin und Literaturnobelpreisträgerin Selma Lagerlöf (1858-1940) Anfang des 20. Jahrhunderts nach einer Volkssage verfasste. Nun steht es (dramatisiert von Göran Tunström) unter der Regie von Johannes Schmid als aufregende kleine Parabel auf dem Spielplan der Münchner Schauburg. (...) Auf die unterschiedlichen, mal wundersam leisen, dann wieder gruseligen Töne des Märchens antwortet Johannes Schmid mit einer originellen Inszenierung, die bei Gil Mehmert offensichtlich einiges über Lyrik multifunktionaler Einfachheit gelernt hat. Dazu lässt das Duo Portmanteau in experimenteller Livemusik zart die Gläser klingen und entlockt im nächsten Moment dem Laptop ohrenbetäubende E-Gitarren-Klagen. (...)
(Teresa Grenzmann in Münchner Merkur vom 24.04.06)

Was die Schwedin Selma Lagerlöf da in ihrem düsteren „Märchen vom Wechselbalg“ erzählt, entbehrt nicht einer gehörigen Portion Pathos: Weil die Bäuerin sich verhält wie eine Bilderbuch-Mutter und ihre Bedürfnisse dem gar nicht lieben Kleinen unterordnet, wird am Ende ihr eigener Sohn aus den Fängen der Trolle gerettet. Da kann selbst der Vater nur staunen und seine Mordversuche bereuen. Göran Tunström hat das Märchen unter dem Tiltel „Das Trollkind“ dramatisiert, die Uraufführung fand 1983 im schwedischen Västeras Teater statt. Mehr als zwanzig Jahre später hat die Münchner Schauburg das Stück wiederentdeckt. Johannes Schmid hat es mit viel Phantasie inszeniert und ausdrucksstarke Bilder für die wechselhafte Beziehung zwischen den ungleichen Familienmitgliedern gefunden.
(Anne Fritsch in Die Deutsche Bühne, 03/07)