von Ad de Bont nach Homer

 

Regie: Johannes Schmid
Bühne und Kostüme: Michael Kraus
Musik: Portmanteau
Choreographie: Birgitt Paulus
Video: Thomas Kohler
Dramaturgie: Dagmar Schmidt

mit: Tim Kahlhammer-Loew, Elisabeth Wasserscheid, Marie Ruback, Hussam Nimr/Peter Wolter, Giorgio Spiegelfeld, Ullrich Wittemann

Musiker: Taison Heiß (Elektronik), Greulix Schrank (Schlagwerk)

Premiere: 13.10.07, Schauburg – Theater der Jugend München
TZ-Rose der Woche, TZ-Rosenstrauß des Jahres 2007.
Über 50 Vorstellungen!

www.schauburg.net

Videoausschnitt


Presse

Der niederländische Autor hat uns an diesem Schauburg-Abend gelehrt, dass die Helden und eben auch die Götter der griechischen Antike die längste Zeit als seelen- und damit sinnlose Schöpfe über Schulbücher und –Bühnen gekrochen sind. Sein Odysseus ist der langwierigen Irrfahrten so müde wie die Zuschauer. Und seine Götter sind recht launisch wie die Menschen, handeln je nach Tagesform. Doch ganz und gar schlitzäugig mogelt de Bont den umgangssprachlichen Reden seiner „Odyssee“ Verse unter, den Versen Hexameter... und den jugendlichen Zuschauern ein sanftes Gespür dafür, dass das eine so lebendig wie das andere sein kann. Wenn es denn eine solch kongeniale Entmüdung erfährt wie im Münchner Theater der Jugend. (...) Überhaupt liegen unter Johannes Schmids empfindsam erfinderischer Regie Homer und Humor oft nah beieinander. Ein abenteuerliches Auf und Ab aus Spannung und Entspannung. Ein allein auf Stimmungswellen tanzendes Theater, das nie langweilig wird, weil es den Herzschlag seiner Figuren und Themen erfühlt. Mal fesselt es durch abstraktes Schattenspiel, mal durch rollenspielartige Videosequenzen. (...) Elektrisierend, großartig.
(Teresa Grenzmann in Münchner Merkur vom 15.10.07)

Besseres kann man jungen Leuten kaum anbieten: Einen großen, welthaltigen Stoff ganz ernst und über weite Strecken auch beim Hexameter genommen. Trotzdem aber furchtlos abgeklopft aufs Familiendrama. Herauskommt genau die spannende Geschichte über Irrfahrt und Heimkehr, die drinsteckt in der „Odyssee“. (...) Johannes Schmid inszenierte nun nach seinem hoch gelungenen „Trollkind“ in der Schauburg (...) die eineinhalb pausenlosen Stunden voller szenischer Überraschungen bei fast gar keinem Bühnenbild. Das aber sagt genug. Michael Kraus machten einen mit weißen Tüchern bespannten Raum an dessen Rückseite Videos mit verblüffenden Schattenwirkungen möglich sind. Den Rest besorgen die dramaturgisch genaue Beleuchtung und die unverfrorene Musik von Portmanteau. Einziger Gegenstand auf der Bühne: Ein Baumstamm, der sich zum Schiff oder Floß umdrehen und zum Aussichtsturm aufstellen lässt. Schmid muss Götter- und Menschenwelt darstellen, und er kann es. Die Götter agieren oft in der Höhe auf Emporen, rutschen an Kletterstangen rauf und runter, bleiben auch mal auf halber Höhe, als könnten sie in der Luft existieren – es ist ein wunderbar konkret unterfütterter Appell an die Fantasie. (...) Es sollte mit dem Teufel zugehen, wenn das junge Publikum nicht an der Geschichte in allen drei hier verwendeten Sprachschichten: Alltagsrede, Jargon, aber eben auch an dem das Rückgrat stärkenden Glanz des Hexameters seinen Spaß hätte. Auch Erwachsenen sehr zu empfehlen, wenn sie für die alten Griechen, ohne „abzusteigen“ mal dem etwas anstrengendem Kulturvollzug in den großen Häusern entgehen wollen.
(Beate Kayer in TZ vom 15.10.07)

Diese Aufführung ist ein schöner Beweis dafür, dass man eine alte, große Geschichte so erzählen kann, dass sie für Jugendliche spannend, fesselnd, unterhaltsam ist. Und auch fordernd. (...) Johannes Schmid nahm sich an der Schauburg mit sensibler Hochachtung des Textes an. Dort, wo dieser von Odysseus’ Heldentaten erzählt, entwirft er temporeiche Schattenspiele und effektvolle Projektionen, lasst Agamemnon aus dem Totenreich erscheinen und die Sirenen als im Meer treibende Münder. Das ist sehr hübsch, sehr poetisch und wird durch die Auseinandersetzungen der Götter permanent gebrochen. Hoch über der weiß eingehüllten Spielfläche liefern sich die Götterbrüder Zeus und Poseidon ein Duell mit zwei Schlagzeugen, wie überhaupt die Aufführung in einen atmosphärischen, mitunter dramatischen Soundtrack der Moderne gehüllt ist.
(Egbert Tholl in Süddeutsche Zeitung vom 15.10.07)