Musiktheaterstück nach Johann Peter Hebel, fürs Theater bearbeitet von Birgit Hageby, Lars Rudolfsson und Guus Ponsioen

Regie: Johannes Schmid
Ausstattung: Caroline Brösamle
Musikalische Leitung: Toni Matheis
Choreographie: Birgitt Paulus
Dramaturgie: Dagmar Schmidt

mit: Tamara Hoerschelmann, Lucie Muhr/Marie Ruback, Victoria Mayer, Sebastian Hofmüller, Hussam Nimr, Klaas Schramm/Tim Kahlhammer-Löw und Enrique Ugarte (akk), Raoul Alvarellos (kl)

Premiere: 15. Februar 2005, Schauburg - Theater der Jugend München
Preis der Schülerjury, Bayerische Theatertage 2006

Presse

Regisseur Johannes Schmid bringt (...) auf der leeren, weißen Bühne der Schauburg nur mit Hilfe von ein paar Schwingtüren viel Bewegung in die moralische Mär. (...) Zwei Mädchen wirbeln in einem nostalgischen, aber gar nicht bieder angehauchten Mini-Musical über die Bühne. Als von einem bösen Wirt ausgebeutete Mägde schrubben sie ein putziges Wischtuch-Ballett, trällern sehnsuchtsvoll vom freien Leben, gurgeln beim Zähneputzen im Duett. Das macht nicht nur den Kindern im Publikum Spaß. Regisseur Schmid hat die 70 Minuten präzise durchchoreografiert, mit viel Gefühl für Rhythmus und für schöne, manchmal auch schön alberne Effekte. Höhepunkt ist eine aufwändige Szene, in der Film und Leben eins werden: Da steigt wahrhaftig ein Filmstar von der Leinwand herab, um Lisbeth im Kinosaal seine Liebe zu bekennen. Zu kitschig, um wahr zu sein – weshalb amEnde (...) natürlich die Vernunft siegt. Und heitere Zufriedeheit.
(Antje Weber in Süddeutsche Zeitung vom 17.02.05)

Zwischen Gut und Böse lehren uns die Märchen zu unterscheiden, zu erkennen, was sittsam ist. Und weil bittere Medizin besser schmeckt, wenn sie auf einem Zuckerwürfel serviert wird, ist die Moral der Märchen für gewöhnlich in eine possierliche Geschichte gepackt. Der Regisseur Johannes Schmid dreht deutlich stärker an dieser Schraube, in seiner Inszenierung „Die Drei Wünsche“ nach Johann Peter Hebel in der Münchner Schauburg steigert er harmlos Nettes zu tatsächlich Gewitztem, zu skurril Albernem, zu großer Komik. Präzise choreographierte Schauspieler schenken dem 65 Minuten kurzen Abend mit ihrer Körperkomik eine wunderbare Leichtigkeit, ohne den moralischen Impetus des Märchens zu denunzieren. (...) Wie jede gute Inszenierung an einem Kinder- und Jugendtheater sind auch „Die Drei Wünsche“, obgleich bereits ab einem Alter von 7 Jahren geeignet, beileibe nicht nur für Heranwachsende sehenswert. (...) Für eines der Mädchen erweist sich sogar eine Filmleinwand als durchlässig, Fiktion und Realität gehen ineinander über. Das hat großen Charme und beweist, wie klug man Filmprojektionen im Theater einsetzen kann.
(Stefan Fischer in CULT: Nr. 27, Februar 2005)

Als flottes Putzfrauenmärchen mit Musik bringt Jungregisseur Johannes Schmid die alte Geschichte über „Die Drei Wünsche“ (sehr frei nach Johann Peter Hebel) im Theater der Jugend auf die Bühne. Effektvoll mixt er altertümlichen Märchensound mit Tönen von heute: „Warum muss ich schuften, ich würd so gern verduften“, singen die Heldinnen, während Raoul Alvarellos und Enrique Ugarte die Musik dazu machen und die Flügeltürenmühle von Caroline Brösamles genial einfachem Klipp-Klapp-Bühnenbild sich zu stimmungsvoller Beleuchtung dreht. Wen wundert’s, dass an dieser präzise stilisierten Inszenierung mit wunderbaren Schauspielern (...) nicht nur Kinder „ab 7 Jahren“ ihre Freude haben?
(Alexander Altmann in TZ vom 17.02.05)

Johannes Schmid (...) hat Hebels Urtext, die Bearbeitung der beiden Schweden Birgit Hageby und Lars Rudolfsson aus den 80er Jahren und die Kompositionen des Holländers Guus Ponsioen klug verwoben und inszeniert den feinmaschig-luftigen Stoff mit leichter Hand und versponnenem Witz. Nicht nur ein Spaß für Kinder ab sieben Jahren, sondern auch für Erwachsene. (...) Caroline Brösamle hat dieses Märchen in einen transparenten nach allen Seiten offenen Kubus gepackt, der im Inneren eine Art Drehtüren oder besser gesagt Drehwände birgt. Die lassen sich klappen, ziehen und schließen, haben Fensterlöcher und Bettbretter und sind so vielseitig bespielbar, dass sie sich mit Leichtigkeit in Schankraum und Schlafkammer, Kino und Wald verwandeln lassen (...). Johannes Schmid mischt vergnügt Archaisches mit Modernem, entwirft für seine fabelhaften Schauspieler eine kecke Choreografie, führt sie mit Präzision und am Kino geschulter Erzähltechnik durch die märchenhafte Welt und verblüfft, verwirrt, entzückt das Publikum ein ums andere mal. Da stürzen Schauspieler aus der Leinwand, da fallen Geldkoffer vom Himmel, da versinkt ein ganzes Theater im Schuhputzpartyrausch. Immer wieder Szenenapplaus und nach 65 Minuten großer Jubel für dieses reizende Theaterabenteuer, das wirklich keine Wünsche offen lässt.
(Anja Witzke in Donaukurier vom 17.02.2005)